Gold gilt noch immer als Inbegriff sicherer Investition.
Gold gilt noch immer als Inbegriff sicherer Investition.


Yamoussoukro – Auf den Ukraine-Krieg und seine fatalen Wirtschaftsfolgen reagieren Investoren mit massiven Aktienverkäufen und der Flucht in „sichere Häfen“. Dazu gehört traditionell Gold als krisenfester Vermögensschutz. Der Goldpreis in Euro erreichte deshalb jüngst den höchsten Stand der Geschichte. Am 4. März schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung: „Gold in Euro erreichte mit 1.787,89 Euro je Feinunze (31,1 Gramm) einen neuen historischen Höchststand.“ Schon Mitte Februar 2022 und damit vor Ausbruch der Kampfhandlungen kletterte der Goldpreis auf ein Acht-Monats-Hoch. An den Rohstoffmärkten zahlten Anleger bis zu 1.898 Dollar für die Feinunze Gold und damit so viel wie seit Juni vorigen Jahres nicht mehr. Die „Wirtschaftswoche“ resümierte: „Gold ist in Krisenzeiten eine gefragte Investition, das ist nicht erst seit der Corona-Pandemie bekannt. Auch die Ukraine-Krise treibt den Goldpreis weiter nach oben: Allein im Februar ist der Goldpreis in Dollar um gut sieben Prozent gestiegen.“ Rohstoffexperte Daniel Briesemann von der Commerzbank bestätigt: „Das gelbe Edelmetall ist klar als sicherer Hafen gefragt.“

Hohe Goldnachfrage wird auch Goldexporte aus der Elfenbeinküste befeuern

Die Flucht in die historisch bewährte Krisenwährung wird nach Auffassung von Privatanlegern und Finanzmarktexperten noch zunehmen. Bei den sicherheitsbedachten Deutschen erfreut sich Gold als Geldanlage gerade besonderer Beliebtheit. Die Nachfrage nach dem physischen Edelmetall explodiert geradezu. Verschiedene deutsche Edelmetall-Händler melden schon doppelt so viele Goldbestellungen wie sonst üblich.

Die stark gestiegene Goldnachfrage wird auch die Goldexporte aus der Elfenbeinküste befeuern. Das an Mali, Burkina Faso, Liberia, Guinea und Ghana grenzende Land heißt auch „Côte d‘Ivoire“. Diese französische Bezeichnung für Elfenbeinküste verweist auf die Kolonialvergangenheit und erinnert daran, dass das westafrikanische Land früher eine wichtige Rolle für den Handel mit Elfenbein spielte. Seit dem Jahr 1983 ist mit Yamoussoukro die fünftgrößte Stadt des Landes Hauptstadt und Verwaltungssitz. Das wirtschaftliche Zentrum ist die Hafenstadt Abidjan am Atlantischen Ozean mit rund viereinhalb Millionen Einwohnern. Die Côte d‘Ivoire gehört zu den erfolgreichsten Ökonomien im subsaharischen Afrika. Seit Ende der politischen Instabilität im Jahr 2012 verzeichnet das Land einen anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung und ist im regionalen Vergleich ökonomisch breit aufgestellt. Wolfgang Karg, Westafrika-Korrespondent der Germany Trade & Invest (GTAI), sagt dazu: „Côte d‘Ivoire ist auf dem besten Weg von einem Entwicklungs- zu einem Schwellenland. Das macht es für deutsche Unternehmen zu einem interessanten Wachstumsmarkt und einem Drehkreuz für ganz Westafrika.“

Das bekannteste Exportgut der Republik sind heute Kakao- und Kaffeebohnen. Die moderne Schokoladenproduktion wäre ohne den weltgrößten Kakaohersteller gar nicht denkbar. Auch landwirtschaftliche Produkte wie Baumwolle, Ölpalmen und Zuckerrohr sind ein wichtiges Handelsgut der Ivorer. Die regionale Tier- und Pflanzenwelt, die in Nationalparks geschützt wird, beflügelt zudem den Tourismus. Neue Wachstumsperspektiven hat die Entdeckung von Öl- und Gasreserven vor der Küste eröffnet. Hinzu kommt der Reichtum an Rohstoffen wie Diamanten und Gold. 2021 betrug die weltweite Goldförderung rund 3.000 Tonnen. Nach China sind Australien, Russland und Nordamerika, also die USA und Kanada, die größten Förderländer. Verglichen damit fällt die Goldproduktion der Ivorer relativ bescheiden aus, aber angesichts der massiv gestiegenen Nachfrage kommt es auf jedes einzelne Förderland an.

Das haben die Elfenbeinküste, Guinea, Liberia und Sierra Leone erkannt und deshalb eine regionale Rohstoffgovernance in Westafrika ins Leben gerufen. Die politischen Träger sind das Ministère de l’Industrie et des Mines (Côte d’Ivoire), das Ministère des Mines et de la Géologie (Guinea), das Ministry of Mines and Energy (Liberia) sowie das Ministry of Mines and Mineral Resources (Sierra Leone). „Der Rohstoffreichtum der vier Länder der Mano River Union (MRU) bietet großes Potenzial, um Staatseinnahmen zu erhöhen und die Wirtschaft der Region dauerhaft zu verbessern“, stellt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fest. Diese will dazu beitragen, auch den Goldabbau in den MRU-Staaten zu optimieren und den Bergbausektor nach den Prinzipien der sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit (SDG) zu reformieren. Ziel ist es, die Bergbauunternehmen für eine ökologisch-soziale Arbeitsweise zu gewinnen und für mehr Transparenz bei den Schürfrechten und Bergbaulizenzen zu sorgen. Die Initiative hat schon jetzt dazu geführt, dass die Gewinne der Bergbaugesellschaften in stärkerem Maße dem Staatshaushalt der Elfenbeinküste zugutekommen. Nach offiziellen Angaben werden in immer mehr Bergbaugemeinden Systeme getestet, die eine völlig quecksilberfreie Produktion von Gold ermöglichen.

Die steigende Rohstoffförderung hat in der Elfenbeinküste zu einem anhaltenden Wirtschaftswachstum, zu steigender Kaufkraft und einem starken Investitionszufluss durch internationale Kapitalgeber geführt. Die aktuelle Rekordhöhe des Goldkurses wird diese Positiventwicklung noch verstetigen. Afrikakenner und Rohstoffexperten zählen den Goldsektor schon seit Langem zu den „Potenzialbranchen“ des aufstrebenden westafrikanischen Landes. Von ihnen heißt es, dass seit etwa zehn Jahren immer mehr internationale Unternehmen den Goldbergbau in der Republik Côte d’Ivoire professionalisieren und es dort inzwischen zahlreiche Minenbetreiber gibt, die regelmäßig neueste Bergbautechnik abnehmen. Bis 2025 soll die Goldproduktion auf über 50 Tonnen gesteigert werden. Als ehemaliges französisches Überseegebiet bietet die Elfenbeinküste das gelbe Edelmetall auch in Münzform an. Die auf dem Markt erhältlichen Goldmünzen bestehen aus 900er Gold. 1966 erschienen die berühmten Goldmünzen mit dem Abbild von President Félix Houphouët-Boigny, die es in vier Größen gibt.

„Ein Anstieg des Goldpreises gilt als Indikator für nervöse Märkte“, konstatierte die „Wirtschaftswoche“. Seit Jahrzehnten gelte Gold als Krisenwährung im Depot. „Tatsächlich hat sich das Edelmetall als Schutz vor Inflation und geopolitischen Risiken etabliert und kann Schwankungen abfedern. Anleger hoffen jetzt, durch Goldinvestments ihr Portfolio abzusichern.“ Das Gold von der Elfenbeinküste kann dazu beitragen.

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